SEITEN DES LEBENS
 SEITEN DES LEBENS 

EDITORIAL

 

Wir kommen entspannt und in großer Einfachheit in diese Welt. Zu Beginn sind wir ein bloßer Beobachter, ein auf natürliche Weise Meditierender. Und wir sind offen und ungeschützt für alles, was auf uns einstürmt. Sehr vieles stürmt ab der ersten Sekunde auf uns ein. Da herrscht keine Ruhe, da ist keine heilige Stille. Die ganze profane Welt beginnt uns sofort zu bedrängen, die unschuldige Seele zu missionieren, zu deformieren – und alles im besten Sinne der Familie, der Gesellschaft, der Religion, der Politik. So wird der beobachtenden „Nacktheit“ Kleid um Kleid übergezogen und Maske für Maske übergestülpt, bis unsere Natürlichkeit zur hässlichen Missbildung pervertiert ist.

 

Aber die Natur lässt sich nicht betrügen und unterdrücken. Irgendwann entstehen in uns Fragen nach dem wirklichen Leben. Entsteht die Frage nach dem tiefen Sinn hinter allem. Die verleugnete Seele verschafft sich Gehör. Und sie bereitet uns Schmerzen und schlaflose Nächte, bis wir ihr endlich zuhören. Dann beginnt die große Reise ins Ungewisse, die doch schon längst um ihr Ziel in der Glückseligkeit und Einheit weiß. Aber das ist das Spiel: Der vermeintlich blind Suchende muss, einem Gebirgsbach gleich, raue Felsen, scharfe Klippen und vielerlei Widerstände überwinden, obwohl ihn das weite Meer bereits mit offenen Armen empfangen hat.

 

Zu den Klippen gehören auch die vielfältigen Philosophien und Lehren, die uns begegnen, an denen wir uns so gerne festhalten möchten und die uns doch letztlich niemals befriedigen. Ja, sie sind eine Richtschnur und eine gewisse Sicherheit, doch andererseits auch wieder eine neue Maske, eine neues Kleid, ein neues Gefängnis. Und die Seele wird sich wehren, bis wir zuletzt alle Sicherheiten und alle Verkleidungen hinter uns lassen und den Sprung ins pure Leben hinein wagen.

 

Das pure Leben ist sehr einfach, sensationslos, nüchtern – und doch voller Farben, Melodien und Poesie. Es macht uns pragmatisch und poetisch zugleich. Jede schlichte Begegnung wird zu einer Begegnung mit dem Göttlichen. Jedes Tätigsein ist ein kleiner, doch bedeutender Schöpfungsakt. Jede Mußestunde ist Kontemplation und Meditation. Unser Schlaf ist Weihe und Rückkehr. Die Gespräche sind voll heiliger Segenssprüche, denn wir empfinden nichts als Dankbarkeit und Demut gegenüber allem Lebendigen. Das Paradies des einfachen Seins ist hier. Und wir wissen es. Jetzt.

 

Wie immer wünsche ich stets Freude, ein Herz voller Liebe und das Genießen des eigenen lebendigen Seins.

OM Shanti, Shalom,

 

P.S. Und denke immer daran:                          

Während so vieles in der Welt passiert, passiert auch nichts.

 

                            

                              

 

                              

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